Montag, 23. Dezember 2013

über die Qualität erlebter Zeit...

Alles was uns emotional stark bewegt und für uns neu ist, bleibt uns im Gedächtnis. Die Dinge, die wir ständig wiederholen und so zur Routine werden, verblassen in unserem Gehirn. Diese Tatsachen sind bestimmend für unser Zeitgefühl.

Unser Gedächtnis sorgt für die Wahrnehmung von Zeit

Ist nicht viel geschehen innerhalb eines Zeitabschnitts, empfinden wir zwar den Moment als langweilig und haben das Gefühl, dass die Zeit nicht vorübergeht, aber im Nachhinein betrachtet, sagen wir, dass die Zeit schnell verflogen ist. Das kommt daher, weil wir nichts erlebt haben, woran wir uns erinnern können.
Das ist der Grund, warum uns die ersten Urlaubstage an einem neuen Ort „gefühlt“ viel länger vorkommen, als die letzten Urlaubstage. Zu Beginn des Urlaubs ist alles neu und wir müssen uns erst orientieren. Wir probieren viele Dinge aus und sehen uns überall um. Dadurch entstehen viele Erinnerungsteile in unserem Gehirn, die uns später die Empfindung vermitteln, viel erlebt zu haben. Die nachfolgenden Tage sind dann schon wieder mit Routinen gefüllt und erscheinen dadurch im Moment eher langweilig. Rückblickend fehlen hier aber Erinnerungswerte und wir empfinden, dass die Zeit gegen Ende des Urlaubs sehr schnell vergangen ist.
Wenn wir also möchten, dass der Urlaub rückblickend „lang“ war und die Zeit „gefühlt“ langsam verging, müssen wir ständig für neue und ungewohnte Erlebnisse und erinnerungswürdige Momente sorgen. Das Paradoxe daran ist, dass uns dann in diesen Momenten das Gefühl beschleicht, der Tag ginge zu schnell vorbei. Dafür werden wir am Ende unseres Lebens mit dem Gefühl belohnt, ein langes und erfülltes Leben gelebt zu haben.
Genau das Gleiche gilt natürlich nicht nur für die Urlaubszeit. In Beziehungen/ Ehe oder bei Hobbys, im Beruf und in der Freizeit entstehen ganz ähnliche Routinen oder Gedächtnismomente.
Die Gewohnheit unserer Handlungen lässt uns mit zunehmendem Alter Sätze sagen wie: „Das letzte Jahr ging verdammt schnell vorbei.“
Sollten Sie sich bei einer solchen Aussage ertappen, wird es Zeit für gedächtnisintensive Highlights zu sorgen.
Je mehr Erlebnisse wir unserer Erinnerung hinzufügen, desto länger kommt uns eine Zeitspanne vor. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine positive oder negative Erinnerung handelt. Ein ordentlicher Streit mit dem Partner, der in eine Versöhnung übergeht, ist sicherlich gedächtnisreicher als 150 harmonische Fernsehabende.
Mit zunehmendem Alter neigen wir Menschen leider dazu weniger offen zu sein für neue und ungewöhnliche Erlebnisse. Daher „vergeht“ unser Leben immer schneller – es gibt immer weniger Erinnerungsmomente im Gehirn, die uns das Gefühl geben „eine lange Zeit“ gelebt zu haben.

Was kann man tun?

Alles! – Jede Änderung Ihrer Routinen führt zu Gedächtnismomenten. Genau hier liegt aber das Problem, denn der Mensch ist oftmals ein Gewohnheitstier und scheut das Risiko des Unbekannten. Fangen Sie mit Kleinigkeiten an und steigern Sie sich langsam.
  •  Neue Spazierwege
  •  Nicht immer ins Stammlokal
  •  Öfter mal etwas unbekanntes essen
  •  Urlaubsorte wechseln
  •  Fitnesstudio wechseln
  •  Kleidungsstil verändern (Frisur, Makeup)
  •  Neuer Einrichtungsstil
  •  Vielleicht ein neues Hobby, ein neuer Verein?
  •  Eine Weiterbildung, ein Wochenendlehrgang
  •  und vieles mehr…
Durchforsten Sie Ihr Leben nach Routinen und fragen Sie sich, ob Abwechslung wirklich schaden könnte.
So wird Ihr Gedächtnis überquellen mit Erinnerungen an gute, schlechte, wilde und verrückte Erlebnisse und Ihnen das Gefühl eines ereignisreichen Lebens geben. Und denken Sie daran: auch das Scheitern ist ein Gedächtnismoment und kann (wenn auch erst Jahre später) für witzigen Erzählstoff sorgen.
Wer sich mit diesem Thema näher befassen möchte, findet im Buch „Gefühlte Zeit“ von M. Wittman (Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg), bestimmt einige gute Denkanstöße.

Dienstag, 10. Dezember 2013

Yin und Yang


Yin und Yang

Eine Definition des Yin-Yang-Symbols ist schwierig, da es in der klassischen Literatur zur Beschreibung unterschiedlicher Dinge herangezogen wird.
Eine sehr allgemeine Sinnerklärung findet man bei Roger T. Ames: „Yin und Yang sind Terme um die gegensätzliche Beziehung zwischen zwei oder mehr Dingen auszudrücken.“

Hier nun meine Deutung eines Symbols, das einem zwar oft begegnet, aber meist nur vereinfacht mit “Das weibliche und männliche Prinzip“ erklärt wird.

Bei Yin-Yang handelt es sich um ein Symbol der Dualität, das zwar gegensätzliche aber dennoch untrennbar miteinander verwobene Systeme beschreibt, die sich gegenseitig beeinflussen und voneinander abhängig sind. Das Eine kann nicht ohne das Andere existieren. Eine reine Reduzierung auf das männlich-weibliche Prinzip wird dem Symbol genauso wenig gerecht, wie jede andere Reduzierung auf eine einzige Polarität wie z.B. gut-böse, warm-kalt usw.
Yin-Yang ist ein Symbol der Polarität, das für ALLE Polaritäten herangezogen werden kann. Es besagt, dass es nichts ohne das Gegenteil desselben gibt. Es gibt das Gute nicht ohne das Böse – genauso wenig wie es kalt ohne warm geben kann. Alle Gegensätze sind im Ganzen, dem großen äußeren Kreis, vereint. Der große Kreis kann sowohl das Universum, die Erde, die Pflanzen- und Tierwelt, als auch den Menschen bzw. seine Persönlichkeit, seinen seelischen Zustand und Charakter symbolisieren.
Keines der beiden großen Felder darf die Übermacht gewinnen, denn das würde die Unterdrückung eines anderen Bereiches bedeuten. Unterdrückung, Leugnung oder Missachtung führt aber immer zu Widerstand und einem (inneren) Kampf, der sich auch als Krankheitssymptom zeigen kann. Leugnung einer Polarität führt dazu, dass dieser Teil unbeobachtet im geheimen wachsen kann und uns, auf oft unliebsame Weise, überrascht.
Wer z.B. die Natürlichkeit der Sexualität leugnet und sie unterdrückt, wird eines Tages von diesem Schatten eingeholt werden. Die katholische Kirche kann ein Lied davon singen. Sicherlich führt auch das Leugnen eigener (charakterlicher) Schwächen nicht zu einer Weiterentwicklung der Persönlichkeit.
Ein gutes Beispiel für eine Polarität im menschlichen Charakter finden wir fast alle in uns. Nennen wir es das fleißig-faul-Prinzip. An diesem Beispiel wird es am besten deutlich, wie wichtig der Ausgleich beider Pole ist. Zu sehr „fleißig“ führt zum Herzinfarkt und Burnout; zu sehr „faul“ führt in die Pleite.
Wer die natürliche Existenz seiner Extreme anerkennt und sie somit im harmonischen Ausgleich hält, hat gute Chancen auf ein glückliches und gesundes Leben. Sich über die eigenen Schwächen zu ärgern, verstärkt diese nur, da sich unser Unterbewusstsein auf sie fokussiert und unsere Selbstakzeptanz boykottiert. Eine Übung zum Auflösen widriger Verhaltensmuster finden Sie hier.
Yin-Yang könnte also als ein Symbol des Ausgleichs von Gegensätzen, die zu innerer Harmonie führen, gewertet werden.

Was bedeutet es jetzt aber zum Beispiel in Bezug auf die Natur und die Erde?

Die Polarität ist eines der 5 universalen Naturgesetze und hat besonders auch in der Tier- und Pflanzenwelt ihre Gültigkeit (siehe Artikel zu den 5 Universalgesetzen). Die Natur ist immer um Ausgleich bemüht. Stirbt eine Lebensform aus, weil sie sich nicht schnell genug an veränderte Lebensbedingungen anpassen konnte, wird eine andere Spezies ihren Platz einnehmen. Alle genetischen Veränderungen sind die Folge von Anpassung. Nicht der Starke überlebt, sondern der Anpassungsfähige, der die Lücke im biologischen Haushalt ausfüllt. Wird der biologische Haushalt, beispielsweise durch Übervölkerung, zu stark strapaziert, hat das Konsequenzen, denn der Ausgleich muss immer gewahrt bleiben.
So wird das zunehmende Bevölkerungswachstum der Menschheit Folgen haben. Monokulturen, Überdüngung, Pestizide, Genmanipulation und Geldgier werden zwangsläufig zu einer Verschlechterung der Nahrungsmittelqualität führen. Man darf davon ausgehen, dass sich unser Körper auf Dauer nicht so schnell anpassen kann, wie wir uns vergiften. Wie der neuste Lebensmittelskandal aus Niedersachsen zeigt, besteht die moderne Geflügelwurst bereits aus 3 Teilen Frischfleisch und einem Teil grünem Fleisch.
Spätestens beim Mischungsverhältnis 1:1 wird eine natürliche Reduktion stattfinden. Man möge mir meinen Zynismus verzeihen.

Was bedeutet der weiße Punkt im schwarzen Feld und der schwarze Punkt in der weißen Hälfte?

Kennen Sie den Ausspruch „Jede Gefälligkeit rächt sich?“. Das trifft es recht genau. Man kann nichts Gutes tun, ohne nicht doch an irgendeiner Stelle als Folge dieser Handlung, nicht auch etwas Schlechtes bewirkt zu haben. Denn das, was für uns „gut“ sein mag, wird von anderen Menschen als „negativ“ gewertet. Zudem können wir unmöglich alle Folgen unserer Handlungen richtig einschätzen. Jedes Handeln und jedes Nichthandeln wird gute und schlechte Ereignisse nach sich ziehen – irgendwann und irgendwo – von uns unbemerkt und ungewollt. Nichts ist NUR gut oder NUR böse. Alles liegt im Auge des Betrachters und entzieht sich, auf Grund seiner „Langzeitwirkung“, unserer Kenntnis. Wir glauben nur „gut“ zu handeln.
 
Auch das augenscheinlich Böse, wird für so manche Menschen durchaus positive Folgen haben – schließlich gibt es immer einige die am Krieg und der steigenden Nachfrage an Waffen und Munition verdienen. „Des einen Freud, des anderen Leid“ – noch ein Spruch, der die Polarität aller Dinge deutlich macht.
So kann ein Gewinn nur entstehen, wenn irgendwo jemand etwas in gleicher Höhe verliert – das gilt nicht nur für die Börse. Die Freiheit der einen Gruppe, führt zur Unterdrückung einer anderen.
Selbst die Liebe, dieser von Engelsanbetern gern als Allheilmittel gepriesene euphorische Glückszustand, hat seine dunklen Seiten. Liebe kann erdrücken, manipulieren, blind machen für die Realität und erpressen.
Wenn dir einer auf die linke Wange schlägt, halte ihm die rechte hin. Wer kennt den Spruch nicht? Glauben Sie wirklich, dass diese Handlungsweise NUR zum Guten führt? Wenn dem Schläger mit einem gezielten Tritt auf die Kniescheibe Einhalt geboten wird, könnte diese Handlung doch zu einem Lerneffekt führen, der weitere Aggressionen verhindert, da er erkennt, dass er sich eben NICHT alles erlauben kann. Lässt man ihn gewähren, könnte er so weiter machen und irgendwann einmal an einen Menschen geraten, der ihm als Antwort das Messer in den Bauch sticht. Wäre dann der Tritt ans Schienbein nicht die „gute“ Variante gewesen? Wir können nicht wirklich wissen, welche positiven und negativen Effekte unser Handeln hat und müssen uns immer bewusst sein, dass es Polaritäten geben wird.

Was hat das nun mit Gammelfleisch in der Geflügelwurst zu tun?

Nun, das Gute daran ist, dass man ihn erwischt hat beim Mischungsverhältnis 3:1. So können wir vielleicht das Mischungsverhältnis 1:1 noch abwenden und erkennen, dass Geiz nicht zwangsläufig immer geil sein muss. Eventuell hat so mancher auch die Erkenntnis gewonnen, dass die strengen deutschen Richtlinien genauso unterwandert werden können, wie man den „Made in Germany – Aufkleber“ fälschen kann. Ein wenig weniger Naivität kann ja nicht schaden.
So wird aus dem aufgehübschten Werbeslogan „Das Gute daran ist das Gute darin“, die nüchterne Wahrheit „Das Gute daran ist die Erkenntnis daraus“.
Liebe Grüße und weiterhin einen guten Appetit ;-)

Mittwoch, 20. November 2013

Technik zum Auflösen von Konflikten

Konfliktpartner besser verstehen und eigenes Verhalten anpassen


Diese Übung hilft Ihnen Ihre Konfliktpartner besser zu verstehen. Sie lernen mit dieser Technik kleine Feinheiten in Mimik, Gestik und Wortwahl besser einzuschätzen. Dadurch können Missverständnisse aufgedeckt und eigene, unklare Verhaltensweisen erkannt werden.

Welcher Person bringen Sie uneingeschränktes Vertrauen entgegen? Auf wessen Meinung würden Sie sich zu jeder Zeit verlassen? Wählen Sie eine Person aus. Es kann auch ein bereits verstorbener Mensch sein oder eine Person, der Sie nie begegnet sind. Von Jesus über Plato, bis hin zu Ihrem Universitätsprofessor, ist jede Person möglich. Nennen wir diesen Menschen Mediator. Der Mediator ist in unserem Fall gleichzusetzen mit einem unparteiischen, neutralen Schlichter bzw. Beobachter.

Beginnen Sie in Ihrer Meditation sich die Situation vorzustellen, zu der Sie gerne nähere Informationen hätten. Dabei bleiben Sie ganz bewusst zu Beginn in sich, dh. Sie beobachten Ihren Gegenüber. Versuchen Sie seine Körperhaltung und seine Mimik zu erkennen und zu analysieren.

Was strahlt er aus?
Wie fühlen Sie sich dabei?
Analysieren Sie Wortwahl und Tonfall. Hören Sie die Worte Ihres Gegenüber.
War es genau das, was er aussagen wollte?
Erkennen Sie Diskrepanzen zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation bei Ihrem Gesprächspartner?

Als nächstes wechseln Sie die Position. Übernehmen Sie die Rolle Ihres Konfliktpartners. Versetzen Sie sich ganz in seine Situation. Stellen Sie sich vor, Sie wären er. Sie werden erstaunt sein wie einfach das ist.
Sie sehen jetzt in Ihrer Meditation sich selbst vor sich. Sie sind im Körper des Gesprächspartners und beobachten nun die Mimik und Körperhaltung, die Sie selbst während des Gesprächs eingenommen hatten. Stellen Sie sich jetzt die gleichen Fragen, wie vor dem Perspektivenwechsel.
Lassen Sie sich Zeit und nehmen Sie die Eindrücke in Ruhe in sich auf.

Bei der nächsten Positionsänderung, versetzen Sie sich in die Person des Mediators. Übernehmen Sie ganz die Rolle des neutralen Beobachters und lassen Sie den Film nun aus dieser Perspektive ablaufen. Beobachten Sie beide Kontrahenten und lassen Sie Worte, Tonfall, Gestik und Mimik auf Sich wirken.

In dieser neutralen, fast schon allwissenden Position haben Sie den vollen Überblick und erkennen die Fehler, die von beiden Kontrahenten gemacht wurden. Finden Sie die Veränderungen des Verhaltens bei sich, die nötig gewesen wären um die Eskalation zu vermeiden.

Visualisieren Sie aus der Position des Mediators bei sich selbst ein neues Verhalten und beobachten Sie die Veränderung bei Ihrem Gesprächspartner. Verändern Sie Ihr Verhalten so lange, bis Sie mit dem daraus resultierenden Ergebnis bzw. Ablauf des Gespräches zufrieden sind. Sie haben jetzt, ähnlich einem Regisseur, dem Schauspieler (also Ihnen) solange Anweisungen gegeben, bis Ihr Verhalten hollywoodreif war.

Wechseln Sie jetzt erneut die Position und nehmen wieder Ihr eigenes visualisiertes Ich ein. Wie gefallen Ihnen die Veränderungen an Ihrer Ausstrahlung, die erwirkt wurden durch eine veränderte Körperhaltung, verbesserte Sprache und angemessene Mimik? Sind Sie damit einverstanden und erkennen Sie die daraus entstehenden besseren Resultate als nützlich an?

Dann betrachten Sie noch einmal die veränderte Situation aus den Augen Ihres Konfliktpartners. Hat auch er einen Gewinn aus dieser Veränderung?
Achten Sie darauf, dass beide beteiligten Personen gewinnen. Es nützt nichts, sich so zu verändern, dass Sie als alleiniger Sieger aus dem Gespräch hervor gehen. Nur wenn Ihr neues Verhalten zu einem Vorteil für beide Seiten führt, ist Ihr Verhalten nutzbringend und führt beim nächsten Aufeinandertreffen zur Deeskalation.

Wechseln Sie noch einmal die Position und gehen Sie erneut ins Ich. Stellen Sie sich jetzt ein neues, positiv verlaufendes Gespräch vor. Genießen Sie den harmonischen und erfolgreichen Verlauf und freuen Sie sich auf das kommende, stressfreie Zusammentreffen.

Sie haben soeben nicht nur Ihren Gesprächspartner besser kennen gelernt, sondern gleich noch ein neues Verhalten, eine neue Persönlichkeit in sich integriert.

Eventuell muss diese Übung mehrfach wiederholt werden (21 Tage, täglich einmal), damit sich das neue Verhaltensmuster im Unterbewusstsein festsetzt.


Dienstag, 24. September 2013

3 Fragen, die man sich immer stellen sollte

Diese Geschichte wird dem Sokrates zugeschrieben, was aber nicht wirklich bewiesen ist. Es könnte auch jeder andere Denker oder Philosoph gewesen sein – es spielt keine Rolle.
Eines Tages näherte sich ein Bekannter dem großen Denker Sokrates.
"Weißt du, was ich gerade über einen deiner Freunde hörte?", fragte er.
"Warte!", sagte Sokrates. "Bevor du mir irgendetwas sagst, will ich mit dir einen kleinen Test machen. Ihn nenne ihn die drei Siebe".

"Drei Siebe?", fragte der Mann verwundert.

"Ja", sagte Sokrates, "Lass uns sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht:
Das erste Sieb ist die Wahrheit: Bist du dir wirklich sicher, dass das, was du mir erzählen willst, wahr ist?"

"Nein", sagte der Mann, "ich habe es auch bloß gehört und wollte es dir einfach weitergeben."

"Okay", sagte Sokrates. "Du weißt also nicht, ob es wirklich wahr ist. Lass uns sehen, ob es immerhin durch das zweite Sieb hindurchgeht, das der Güte. Ist das, was du mir über meinen Freund sagen willst, etwas Gutes?"

"Nein, im Gegenteil", sagte zögernd der Mann, "es ist etwas ganz Schlechtes".


„Du kannst den Test immer noch bestehen, denn es gibt noch ein drittes Sieb, das des Nutzens: Ist das, was du mir über meinen Freund erzählen willst, für mich nützlich?"


"Nein, nicht wirklich", gab der Mann kleinlaut zu.
"Also", sagte lächelnd der Weise, "wenn es weder wahr, noch gut, noch nützlich ist, so lass es ruhig begraben sein und belaste dich und mich nicht damit".
So weit die Geschichte der „drei Siebe“. Bevor Sie sich also mit einem Thema befassen, sollte es zumindest EINE bejahende Antwort auf eine der Fragen geben. Die drei Fragen lauten:
  • Ist es wirklich wahr – kann ich es wirklich wissen?
  • Ist es etwas Positives – etwas, was mich aufbaut und mir Kraft gibt?
  • Ist es nützlich – kann ich etwas daraus lernen?
Der Mensch manipuliert ständig – bewusst oder unbewusst – und wir sind diesen Manipulationen ausgesetzt. Wir haben nur eine Chance uns dagegen zu wehren und uns nicht beeinflussen zu lassen: Wir müssen bewusst sein! (Lesen Sie hierzu auch: Wie leicht wir uns manipulieren lassen – Teil 1 und Teil 2)
Übertragen Sie dieses 3-Fragen-System nicht nur auf Erzählungen Ihrer Mitmenschen, sondern auch auf das, was Sie in Zeitschriften lesen, im Fernsehen sehen und im Radio hören.
Fragen Sie sich immer: Wem nutzt es?
Nutzt es einer politischen Richtung, einer religiösen Idee, einer Gruppe Lobbyisten? Glauben Sie tatsächlich, das alles wahr ist, was die Medien berichten? Die Medien sind im Besitz derer, denen auch die anderen Unternehmen gehören, denn Zeitschriften, Fernseh- und Rundfunkgesellschaften SIND Unternehmen. Sie berichten nur das, was ihnen nützt.
Böse Zungen behaupten sogar, dass ihnen auch die Politiker gehören – aber lassen wir das – denn:
  1. Wir können es nicht wirklich wissen – siehe Frage 1
  2. Es ist wirklich nicht gerade positiv – siehe Frage 2
  3. Es nützt mir nichts, es zu wissen – siehe Frage 3. Es sei denn, Sie möchten in die Politik gehen. Aber selbst dann ist es wohl so, dass Sie die Korruption noch lernen werden. Die Gehirnforschung hat in Versuchen nachgewiesen, dass Macht tatsächlich korrumpiert. Man hat das sowohl in Laborversuchen, als auch im Feldversuch gezeigt.
Nun haben Sie zumindest für Frage 3 eine positive Antwort erhalten. Sie haben gelernt, dass es für den Menschen „normal“ ist, sich korrumpieren zu lassen, wenn er eine Machtposition erlangt. Mit dieser Information könnten Sie nun beginnen denen zu verzeihen, die korrupt sind, denn Sie wären es auch, wenn Sie sich für die politische Macht als beruflichen Weg entschieden hätten.
Seien Sie dankbar und glücklich, dass Sie einen anderen Weg gewählt haben. Für die Politiker unter uns: Es ist immer Zeit für Veränderung…

Wenn wir uns die Fragen nach Wahrheit, Güte und Nutzen stellen, werden wir uns vor manipulativen Aussagen, die uns zudem noch die Laune verderben können, schützen. Unsere Gedanken bleiben unbelastet und wir haben mehr Zeit und Energie, um uns auf unsere positiven Ziele zu konzentrieren.

Montag, 26. August 2013

Dienstag, 13. August 2013

Selbsteinschätzung - der erfolgreiche Selbstüberschätzer

Der Erfolg der notorischen Selbstüberschätzer

Gönnen Sie sich eine eigene Meinung? Halten Sie sich für einen selbständig denkenden Menschen – unbeeinflusst von der Macht der Masse? Kämpfen Sie für Ihre Anschauungen und Werte, auch unter schwierigen Umständen?

Die meisten werden mit ja antworten und spiegeln so ein Selbstbild, das leider nur selten der Realität entspricht. Der Mensch ist wohl eher ein Herdentier – zumindest, wenn man den Forschungsergebnissen einiger Psychologen und Hirnforscher glauben schenkt. Die fanden heraus, dass es den Menschen von Natur aus schwer fällt, eigenständige Entscheidungen zu treffen und dafür dann auch gerade zu stehen.

Hochautonome und Niedrigautonome – Widerständler und Mitläufer

Testpersonen wurden befragt, ob sie sich für autonom oder eher für angepasst hielten und teilten die Teilnehmer in diese beiden Gruppen auf.

Im Praxistest sollte sich nun zeigen, ob das Verhalten der Selbsteinschätzung entsprach. Die wenig beeinflussbaren Probanden waren die „Hochautonomen“, die nach eigener Selbsteinschätzung eher beeinflussbaren, nannte man die „Niedrigautonomen“.

Es wurden unterschiedliche Versuche gemacht, bei denen es immer darum ging, in wie weit Manipulationsversuche Wirkung zeigten und die Antworten der Teilnehmer beeinflussten. Manipuliert wurde durch gefälschte Statistiken, Zeitungsartikel und angebliche Aussagen von Fachleuten usw.

Das Ergebnis war mehr als überraschend. Ausgerechnet die Person, die sich bei der Befragung als sehr beeinflussbar und keineswegs autonom eingeschätzt hatte, lies sich am wenigsten durch Fremdaussagen und Falschinformationen von ihrer Meinung abbringen.
Die angeblich „Hochautonomen“ hingegen, passten sich in ihren Aussagen viel häufiger der Mehrheitsmeinung an, selbst wenn diese eindeutig falsch war, als die Personen aus der Gruppe der „Niedrigautonomen“.

Da sich der Mensch unter normalen Umständen nicht in einem manipulierten psychologischen Szenario befindet, ist es durchaus hilfreich und verständlich, dass wir uns in unseren Entscheidungen von den Erfahrungen der Masse leiten lassen. Die Frage ist nur, woher kommt die Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und Realität?

Auch bei Untersuchungen zum Thema Werbung zeigte sich, wie sehr wir Menschen uns von angeblichen Trends manipulieren lassen, aber dennoch glauben, wir würden uns unsere Meinung selbst und durch intensives Nachdenken bilden.

Magersucht ist ein ganz anderes Thema, bietet aber einen wichtigen Hinweis auf den Einfluss von Hirnarealen, in Bezug auf unsere Selbstwahrnehmung.
Eine Studie der Uni Bochum (http://aktuell.ruhr-uni-bochum.de/pm2013/pm00019.hhtml.de) hat nachgewiesen, dass es Unterschiede im Gehirn magersüchtiger und gesunder Frauen gibt. Demnach leiden magersüchtige Frauen an einem "Verbindungsfehler" zwischen zwei Hirnregionen, die für die Verarbeitung von Körperbildern zuständig sind. Als Folge nehmen sich magersüchtige Frauen als dick war, obwohl sie objektiv untergewichtig sind. Das ist auch eine Form der falschen Selbsteinschätzung, erklärt aber nur das Phänomen der Magersucht, da es sich um einen Defekt in einer ganz bestimmten Gehirnregion handelt, die nur die Körperwahrnehmung abbildet [„fusiform body area" (FBA) und der „extrastriate body area“ (EBA)].

Das Gefühl etwas besonderes bzw. besser zu sein als andere, entsteht im sogenannten sensomotorischen Striatum und der Dopaminspiegel spielt hierbei eine große Rolle. Der Anteriore Cinguläre Cortex (ACC) wiederum, hat im Gehirn die Aufgabe, durch Hemmung den Größenwahn zu verhindern. Ist die Verbindung zwischen diesen beiden Gehirnarealen gestört, kommt es zu Selbstüberschätzungen.

Sollten Sie sich demnächst einmal dabei erwischen, dass Sie sich für den besseren Präsidenten halten und unter Ihnen die Welt eine gerechtere wäre, seien Sie nicht traurig. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein zu stark wirkender ACC zu depressivem Verhalten führt. Bei schwer depressiven Menschen wurde nachgewiesen, dass durch eine Störung im Dopaminhaushalt das sensomotorische Striatum kein „ich-bin-toll–Gefühl“ entstehen lassen kann. Wenn Sie also die Wahl haben zwischen Selbstüberschätzung und Depression, dann nehmen Sie das Erstere, aber behalten Sie es bloß für sich! Die Selbstüberschätzer sind zwar oft erfolgreich, aber haben wenig Sympathien beim Rest der Menschheit.

Der Erfolg der notorischen Selbstüberschätzer hängt meines Erachtens damit zusammen, dass ihr selbstbewusstes und siegessicheres Auftreten den Gegner blufft und dieser oft kampflos aufgibt. Würden wir uns nicht bluffen lassen, gäbe es vielleicht bald keine „Nieten in Nadelstreifen“ mehr.
Ein weiterer Grund liegt in der Fähigkeit des Selbstüberschätzers sich auf „Sieg“ zu fokussieren. Da er realitätsfremd denkt und dementsprechend auch handelt, ist ihm „verlieren“ oder „scheitern“ ein Fremdwort. Wer so auf Sieg fokussiert ist, hat weitaus größere Chancen seine Ziele zu erreichen, als ein Mensch mit realistischer Selbsteinschätzung, denn dieser erkennt Fallstricke und Schwächen der eigenen Person und agiert daher oft zu vorsichtig bzw. gar nicht oder zu langsam.

Falls Sie jetzt dazu neigen sollten, sich eine gewisse Portion Selbstüberschätzung anzutrainieren, bedenken Sie bitte, dass jedes Ziel einen Preis hat. Fragen Sie sich, ob Sie diesen Preis bezahlen wollen. Besser ist es vielleicht, sich nicht mehr von Selbstüberschätzern bluffen zu lassen und ihnen die Stirn zu bieten, damit der Spruch: „Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln“, bald der Vergangenheit angehört.

Liebe Grüße

Thomas Pfitzer